Fellbacher Zeitung vom 24.07.2026, Seite 17, Fellbach & Rems-Murr-Kreis
Wechsel an der Spitze des Besinnungswegs
Von Ingrid Sachsenmaier
Fellbach Eine Ära endet, eine neue Ära beginnt. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Fördervereins Besinnungsweg Fellbach hat Paul Rothwein nach 19 Jahren als Vorsitzender nicht mehr für dieses Amt kandidiert. Er hatte dies schon im vergangenen Jahr angekündigt. Daraufhin ist dem Förderverein gelungen, was vielen anderen Vereinen aktuell nicht gelingt: Mit Jörg Schiller wurde übergangslos ein Nachfolger und neuer Vorsitzender gefunden – und einstimmig gewählt.
Der selbstständige Landschafts- und Gartenbaumeister ist privat und mit seiner Firma – wie auch Paul Rothwein – in Oeffingen zu Hause und in Gesamt-Fellbach gut verankert. Die Wahl von Jörg Schiller, 57, ist nicht die einzige Personalie. Als stellvertretender Vorsitzender kommt Andreas Hacker neu in den Vorstand. Herbert Brändle, der diese Position bisher begleitete, ist jetzt Geschäftsführer. Sonst bleibt alles wie bisher. Fast. Paul Rothwein wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt, als Erster der Vereinsgeschichte.
Paul Rothwein hat im Ehrenamt über Jahrzehnte in Fellbach viel bewegtPaul Rothwein, rüstige 81 Jahre alt, hat nicht nur als selbstständiger Bauunternehmer gearbeitet – die gleichnamige Firma führt Sohn Martin in Oeffingen weiter –, sondern auch in vielen Ehrenämtern über Jahrzehnte hinweg in Fellbach viel bewegt. Wenn es um den im Januar 1999 gegründeten Förderverein ging, hat er sich nicht von körperlichen und logistischen Mühen abhalten lassen, auch nicht vom Wetter oder bürokratischen Herausforderungen. Als Mann vom Bau hatte er bis dato mit Kunst wenig Berührung. Oberbürgermeisterin Gabriele Zull formulierte es in ihrer Laudatio am Montag so: „Wenn das Handwerk auf die freie künstlerische Arbeit trifft, dann begegnen sich zunächst zwei Welten, die auf den ersten Blick wie Feuer und Wasser wirken. Hier das kompromisslose künstlerische Konzept, dort der Zwang der Machbarkeit.“ Wer Paul Rothwein kenne, wisse durchaus, dass er seinen eigenen Kopf habe und sehen wolle, was er bekomme.
Dissonanzen gehörten unweigerlich dazu, sie wurden beigelegt und mittlerweile sind zehn von zwölf angestrebten Kunst-Stationen verwirklicht. Denen liegt ein Vereinskonstrukt zugrunde, das noch auf den damaligen Fellbacher Oberbürgermeister Friedrich Wilhelm Kiel zurückgeht: Der künstlerische Anspruch muss Triennale-Niveau haben, alles muss mit Manpower aus dem Verein bewerkstelligt werden, die Stadt stellt die jeweiligen Grundstücke für die Stationen an den Feldwegen in Oeffingen zur Verfügung und die Kosten müssen kalkulierbar sein. Daran hat sich Paul Rothwein zusammen mit dem Führungsteam in all den Jahren gehalten. Schon beim Entstehen der ersten Station „Zeit“ der Künstlerin Inge Mahn steuerten die Stadt Fellbach, maßgeblich in der Person von Galerieleiter Heribert Sautter, das Wissen um die zeitgenössische Kunst und Paul Rothwein die technische Expertise inklusive Fuhrpark bei.
Den neuen Ehrenvorsitzenden kennt man als zielstrebigen Macher, unermüdlichen Schaffer und hartnäckigen Netzwerker. Er hat auf dem Besinnungsweg bei den Vorbereitungen der Flächen für die Kunstwerke tatkräftig mitgeholfen und zugepackt. Er hat zielstrebig dirigiert und terminiert. Rothwein knüpft und hält Kontakte mit den weltweit renommierten Künstlern und Förderern des Vereins, sägt zusammen mit anderen Vereinsmitgliedern Dekostücke aus Holz für den Verkauf in der Adventszeit, organisiert Führungen und andere Veranstaltungen, sammelt Müll, setzt Bäume und gießt sie in den heißen Sommermonaten. Zusammen mit seiner Frau Maria ist er oft in solchen Missionen auf dem Besinnungsweg unterwegs. „Ohne Deine Unterstützung und Mithilfe wäre meine Tätigkeit für den Förderverein nicht möglich gewesen“, sagte er mit dankbaren Tränen in den Augen. Der Besinnungsweg ist Paul Rothwein und seiner Frau in all den Jahren zu einer Herzensangelegenheit geworden. Gabriele Zull bedankte sich persönlich und im Namen der Stadt herzlich für diesen Einsatz. „Der Besinnungsweg ist eine wichtige Einrichtung für die Stadt.“
Der Besinnungsweg Fellbach ist noch nicht vollendetZwei Stationen fehlen noch zur Vollendung des Besinnungswegs, der es in den rund 27 Jahren seines Bestehens zu überregionaler Beachtung gebracht hat und Besucher aus Nah und Fern anzieht. Es gibt also noch viel zu tun und zu finanzieren. „Wenn ihr mich braucht, dann sagt’s halt“, verabschiedete und bedankte sich Paul Rothwein sichtlich gerührt.
Kunst, Wein und Häppchen
Bei Kunst, Wein und Häppchen am kommenden Sonntag, 26. Juli, werden Paul Rothwein und viele Ehrenamtliche von 14 bis 17 Uhr an fünf Stationen zwischen „Zeit“ und „Muße“ vor Ort und im Einsatz sein, um Wein vom Fellbacher VdP-Weingut Markus Heid, Erfrischungsgetränke und selbst gefertigte Häppchen anzubieten, aber auch, um Auskunft zu geben über den fast 140 Mitglieder zählenden Verein, über das bisher Geschaffene und Pläne für die Zukunft. Der Eintritt ist frei.

