Stuttgarter Zeitung vom 21.09.2019 – Fellbach & Rems-Murr-Kreis – Seite III

Kunst-Schnäppchen und ein Test mit Abwasserrohren

Besinnungsweg In der Galerie der Stadt lässt eine Ausstellung in den Entstehungsprozess der Skulpturen blicken.  Sascha Schmierer

So verschieden die Skulpturen auf dem Besinnungsweg sind, so unterschiedlich war auch die Arbeit mit den beteiligten Künstlern: Während die einen mit flottem Federstrich spontan den ersten Entwurf skizzieren, schließen sich andere tagelang im Atelier ein, um über maßstabsgetreuen Modellen zu brüten. Der E-Mails-Verkehr mit dem israelischen Star-Bildhauer Dani Karavan beispielsweise füllt einen ganzen Aktenordner, der Niederländer Henk Visch hingegen erwies sich im schriftlichen Austausch als ein Meister sprachlicher Kürze. Dafür wurde für seine 2013 unter dem Titel „Freiheit“ aufgestellte Tiergestalt eine nicht alltäg-liche Testreihe nötig. Um die Wirkung der auf einem Hügel stehenden Skulptur zu erproben, baute der Förderverein für den Besinnungsweg aus Abwasserrohren auf freiem Feld ein lebensgroßes Modell nach.

Das und noch mehr ist in einer Aus-stellung zu erfahren, die am Donnerstag in der Galerie der Stadt Fellbach im Rathaus eröffnet worden ist. Unter der Überschrift „20 Jahre Besinnungsweg“ wird bis zum 20. Oktober ein Blick in den Entstehungsprozess des Skulpturenwegs bei Oeffingen ermöglicht. Die Korrespondenz mit den Künstlern ist in Auszügen dargestellt, auch nicht umgesetzte Entwürfe, und wieder in der Schublade verschwundene Ideen wie beispielsweise das Sonnenrad von Inge Mahn sind zu sehen.

„Der Verein schluckt nicht alles, was die Künstler servieren“, sagte Galerie-Chef Heribert Sautter bei der Eröffnung der Ausstellung. Der stellvertretende Leiter des Fellbacher Kulturamts steuerte, launig aus dem kulturellen Nähkästchen plaudernd, am Donnerstag etliche Details bei. Das Erlebnis mit Anatol Herzfeld beispielsweise, der schon bei einem ersten Kennenlern-Besuch eine knappe Skizze seines Gottsuchers aufs Papier bannte – und der heute ohne wesentliche Änderung in einen mächtigen Granit-Findling gehauen übers Tal in Richtung der Oeffinger Kirchen blickt. Auch die Herausforderung, aus dem bei Micha Ullmans „Schöpfung“ 2006 übrig gebliebenen Stahl den jüngst auf dem Oeffinger Friedhof eingeweihten Baum zu puzzeln, sprach Sautter an. „Das war eine Heidenarbeit, aber ein aus-gesprochenes Schnäppchen: Das ist der billigste Ullman, den die Welt je gesehen hat“, sagte Sautter. Er betonte, dass die Verpflichtung renommierter Künstler nicht denkbar wäre ohne den Bekanntheitsgrad, den sich Fellbach durch die Kleinplastik-Triennale erworben habe. Auch die Tatsache, dass jeder Besinnungsweg-Akteur auch eine Ausstellung in der Galerie der Stadt machen darf, wiege als Argument. Einzigartig und in der Kunstszene eher ungewöhnlich sei allerdings die Eigenleistung der Vereinsmitglieder. „Andernorts geht das mit Geld, hier mit Engagement“, hatte Oberbürgermeisterin Gabriele Zull in der Begrüßung formuliert.

 

Nach oben 

 

Eröffnung der Ausstellung "20 Jahre auf dem richtigen Weg - Der Besinnungsweg Fellbach"

 

am Donnerstag, 19. September 2019, um 18.30 Uhr

in der Galerie der Stadt Fellbach.

190919 Ausstelungsflyer1

190919 Ausstelungsflyer3

190919 Ausstelungsflyer4

Nach oben

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.