Stuttgarter Zeitung vom 25.05.2019, Fellbach  Rems-Murr-Kreis, Seite IV

 

Kleinplastik-Schau mit neuen Perspektiven

Konzeption Der Eingang zur Ausstellung erfolgt von der Stirnseite der Alten Kelter. Alle Stellwände wurden entfernt, und mit drei Containern wird auf der Rückseite Platz für Video-Vorführungen geschaffen.  Ingrid Sachsenmaier

Die 14. Triennale nimmt Gestalt an. In der Alten Kelter wird seit Tagen gewerkelt, geschraubt, getüftelt und mittlerweile auch gestellt. Die meisten Kunstwerke sind bereits eingetroffen, Kuratorin Dr. Brigitte Franzen ist jeden Tag vor Ort. Zur Hand gehen ihr Leute aus ihrem Kreativ-Team und der Triennale-erfahrene Fellbacher Galerie-Leiter Heribert Sautter mit seinem Team. Support kommt von vielen Stellen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Mehr denn je ist die Triennale Teamwork, Brigitte Franzen favorisiert den Austausch, das ist ihr Arbeitsstil.

Die Alte Kelter zeigt sich in einem völlig neuen Erscheinungsbild – hell und großzügig, ohne Stellwände, durch alle Fenster strömt Tageslicht, und die Vitrinen, in denen bisher die Geschichte des Weinbaus veranschaulicht wurde, sind entfernt. Der große Raum kommt zur Geltung, wirkt in seiner ganzen Eleganz und historischen Opulenz.

Das wollte Kuratorin Brigitte Franzen so. Sie mag die Alte Kelter. Das Gebäude hat auf sie sofort eine große Wirkung gehabt. Ihr war klar, dass es in die Ausstellungskonzeption in seiner Klarheit, aber auch mit seiner Historie einfließen sollte. „Seit ihrer Renovierung war die Alte Kelter noch nie völlig freigeräumt“, sagt Heribert Sautter. Das Entfernen der 24 großen Stellwände war Millimeterarbeit. „Wir haben es ohne Schaden für Gebäude und Wände hingekriegt.“

190525 Triennale Aufbau 1

 

Die aufwendige Dachkonstruktion kommt zur Wirkung, „Die Architektur des Gebäudes kommt jetzt in ihrer ganzen Schönheit zum Tragen“, sagt Triennale-Kuratorin Brigitte Franzen und schaut hinauf ins filigrane, offene Gebälk der Dachkonstruktion. Sie schafft für die Ausstellung, die am 1. Juni öffnet, neue Perspektiven. „Ich komme vom Ansatz her von der Kunst im öffentlichen Raum“ beschreibt sich Brigitte Franzen.

Sie lässt die Triennale-Besucher von der Stirnseite aus in die Ausstellung gelangen und will sie auf „einen Weg führen“ – zu den zeitgenössischen Skulpturen, „die meisten sind aus den letzten 20 bis 30 Jahren“, und zu den historischen Exponaten, „es handelt sich dabei um Kopien die uns das Land Baden-Württemberg zur Verfügung stellt“. Natürlich könne man den von ihr angedachten Pfad auch verlassen und ganz individuell die einzelnen, in Gruppen ausgestellten Kleinplastiken aufsuchen. Den Begriff Kleinplastik legt Brigitte Franzen übrigens nicht so eng aus.

Zusammen mit den Architekten Marc Pouzel und Véronique Faucheur vom „atelier le balto“ aus Berlin steht sie vor einem großen Plan, er hängt an der Wand. Immer wieder bewerten sie Positionen neu und verrücken dann Podeste. Auf dem Industrieboden ist das gut möglich.

Brigitte Franzen gliedert die Ausstellung in Themenfelder. Von jedem Kunstwerk hat sie ein Foto, das erleichtert ihr das Zusammenstellen der einzelnen Gruppen. Dennoch ist es ihr sehr wichtig, jetzt in der Aufbauphase vor Ort zu sein. „Man hat vieles im Kopf vorgeplant, aber in der Realität sieht es dann doch noch mal anders aus.“

Ihr Grundkonzept hält der Situation vor Ort stand. Marc Pouzel und Véronique Faucheur legen Holzlatten auf den Boden und zeichnen damit die Umrisse einer Art „Rezeption“ nach, die gleich nach dem Eingang auf der Stirnseite die Besucher empfängt. Dort werden nicht nur die Eintrittskarten verkauft, Informationsmaterial und Kataloge bereit gehalten sowie Plätze für Garderobe und Taschen geschaffen, vielmehr wird auch gezielt der Blick in die Ausstellung gelenkt, die sich von ihren Vorgängern auch optisch grundlegend unterscheidet. Brigitte Franzen ließ alle Fenster öffnen, das Tageslicht verleiht dem 300 Quadratmeter großen Raum eine neue Dimension. Aber nicht nur das: In der Alten Kelter riecht es nach frischem Holz. Aus hellen, unbehandelten Holzpaneelen entstehen vor Ort Podeste in unterschiedlichen Größen, Höhen und Formen – länglich, quadratisch, schräge, schlanke. Auf ihnen werden die Kunstwerke gezeigt und positioniert, meist ohne Plexiglas-Hülle.

190525 Triennale Aufbau 2

 

Auf einen abgeschlossen Raum setzt Franzen lediglich dort, wo die Video-Vorführungen zu Künstlern und Kunstwerken gezeigt werden. Das geschieht in drei Speditions-Containern. Sie stehen an der hinteren, zum Parkplatz gelegenen Längsfront der Alten Kelter und passen genau auf die Maße der drei Tore. „Das ist ein wunderbarer Zufall“, freut sich Franzen. Die Video-Vorführungen sollen weder optisch noch akustisch stören, aber mit ihren Informationen ergänzen.

Info Bei der 14. Triennale Kleinplastik Fellbach werden rund 150 zeitgenössische Objekte von mehr als 60 Künstlern aus rund 40 Nationen und historische, in der Eiszeit entstandene Exponate – in Form von Kopien – gezeigt. Die 14. Triennale in der Alten Kelter an der Untertürkheimer Straße in Fellbach öffnet am 1. Juni und dauert bis 29. September.

 

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